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Ein E-Bike aus Kaffeekapseln: erst geniessen, dann recyceln

Ein E-Bike aus Kaffeekapseln: erst geniessen, dann recyceln


Ein E-Bike, das aus Kaffeekapseln besteht? Klingt erst mal merkwürdig, ist es aber nicht. Denn das am häufigsten verwendete Material für Fahrradrahmen ist Aluminium, und aus Aluminium werden auch die Kapseln für Kaffeemaschinen hergestellt. Da Aluminiumabfälle fast vollständig recycelt werden können, lassen sich gebrauchte Kaffeekapseln hervorragend für neue Produkte wiederverwerten: beispielsweise eben für Fahrräder.

Das Genfer Start-up Miloo will E-Bikes revolutionieren

Das dachten sich auch Anna Bory und Daniel van den Berg, die Gründer und Inhaber des Start-ups Miloo. Sie sind im Jahr 2019 angetreten, um die „langweilige und triste Welt der Mobilität zu revolutionieren“, wie sie auf ihrer Webseite erklären. „Seit wir Miloo gegründet haben, war es unser Traum, ein Bike aus möglichst vielen recycelten Materialien herzustellen“, sagt Daniel van den Berg.

Anfangs standen jedoch zunächst andere Aspekte im Vordergrund. Die Vision des Unternehmens waren und sind E-Bikes, die als vollwertiger Ersatz für das Automobil akzeptiert und genutzt werden. „Wir liessen uns dabei nicht von dem inspirieren, was es bereits gab, sondern haben ganz viele Leute gefragt, was sie eigentlich vermissen würden“, sagt Miloo dazu. Bei den Antworten der potenziellen Kunden ging es zunächst weniger um Umweltschutz und Nachhaltigkeit, sondern um Stabilität, Sicherheit, Individualisierung und Konnektivität.

So sind die „Beasts“ entstanden, wie Miloo seine Räder getauft hat. Die ersten kamen Anfang 2023 auf den Markt und erregten allein schon optisch Aufsehen. Mit ihren breiten Reifen und imposanten Rahmen wurden sie in der Presse bald als „SUVs unter den E-Bikes“ bekannt. Beeindruckend ist auch die Konfigurierbarkeit: Neben verschiedenen Farben und Reifengrössen bietet Miloo über 100 Sonderausstattungen und Zubehörartikel an.

Vier Grundvarianten der Miloo-Bikes sind heute erhältlich:

• Der Allrounder „Classy Beast“ als Einstiegsmodell.
• Das Flaggschiff „Mighty“ mit Fokus auf Sicherheit, Leistung (45 km/h Höchstgeschwindigkeit) und Reichweite (doppeltes Batteriesystem).
• Das „Cargo Beast“ mit 200 kg zulässigem Gesamtgewicht und speziellem Gepäckträger.
• Die limitierte, professionelle High-End-Edition „Xplorer“ aus Carbon.

Nach dem erfolgreichen Markteintritt war dann laut Anna Bory „der nächste naheliegende Schritt die Entwicklung eines Bikes, das beispielhaft die Kreislaufwirtschaft im Fokus hat“. So kam die Idee mit den Kaffeekapseln auf, für die Miloo auf die Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner ging. Der war dann recht schnell gefunden.

Nespresso ist Kooperationspartner für das Recycling-Rad

Die Zusammenarbeit mit Nespresso ist naheliegend, denn das Unternehmen ist in Sachen Recycling und Nachhaltigkeit bereits seit Jahrzehnten höchst engagiert. So können gebrauchte Aluminium-Kapseln in jeder Nespresso-Boutique zurückgegeben werden. Für Firmenkunden gibt es zudem Recycling-Sammelbehälter. Darüber hinaus klärt das Unternehmen seine Kunden intensiv über die umweltgerechte Entsorgung von Kaffeekapseln auf. Für den Fall, dass ein Sammelsystem wie der „Grüne Punkt“ nicht vorhanden ist, stellt Nespresso einen eigenen Abholservice zur Verfügung.

Mit all diesen Massnahmen beträgt die Rücknahmekapazität für Nespresso-Kapseln 100 %. Zwar wird dieser Idealwert nie ganz erreicht werden, tatsächlich liegt die Recyclingquote für Aluminiumverpackungen aller Art aber bei respektablen 93,7 %. Das ist ökologisch überaus wichtig, weil Aluminium mehrfach und fast vollständig wiederaufbereitet werden kann. Und die dafür benötigte Energie beträgt nur 5 % dessen, was für die Produktion von neuem Aluminium aufgewendet werden muss. Bei aller nachvollziehbaren Kritik an der Umweltverträglichkeit von Kaffeekapseln: Diese Fakten zeichnen dann doch ein etwas differenzierteres Bild von der Realität.

Für Miloo-CEO Anna Bory war die Nestlé-Tochter deshalb für das Projekt Recycling-Fahrrad „ganz klar unser bevorzugter Partner“. Nespresso ist ebenfalls zufrieden: „Diese neue Zusammenarbeit zwischen diesen zwei Schweizer Marken zeigt die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft und die Verpflichtung aller zum Recycling“, sagt Irene Balascas, als „Head of Sustainability“ verantwortlich für den Bereich Nachhaltigkeit.

Es ist für Nespresso nicht das erste Projekt dieser Art. Gemeinsam mit Caran d’Ache hat das Unternehmen bereits Kugelschreiber, mit Hublot Armbanduhren aus recycelten Aluminium-Kapseln auf den Markt gebracht. Solche Kooperationen haben eine positive Imagewirkung und machen vor allem das Thema Recycling konkret erlebbar. Das verspricht sich Irene Balascas auch von der Zusammenarbeit mit Miloo. „Dieses E-Bike“, so Balascas, „ist ein greifbares Ergebnis dessen, was aus recycelten Aluminiumkapseln hergestellt werden kann.“

Im März 2024 soll das neue E-Bike auf den Markt kommen

Schon jetzt können sich Interessenten auf der Miloo-Webseite eintragen, um mit weiteren Informationen auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zum Beispiel über die Produktmerkmale: Aktuell ist lediglich bekannt, dass es sich um ein S-Pedelec (Höchstgeschwindigkeit 45 km/h) handeln wird. Auch die etwas sperrige Produktbezeichnung „miloo x Nespresso Exklusive Edition“ klingt eher nach einem Arbeitstitel. Vielleicht wird es am Ende ein „Eco Beast“, ein „Recycle Beast“ oder gar ein „Espresso Beast“?

Was es auf jeden Fall nicht werden dürfte, ist eine Mogelpackung wie das schwedische „RE:CYCLE“. Dieses Citybike wurde 2019 ebenfalls als Fahrrad aus recycelten Kaffeekapseln und als ökologische Innovation beworben. Schnell kam jedoch heraus, dass pro Rahmen nur 300 Aluminium-Kapseln verarbeitet wurden. Pikant: Auch beim „RE:CYCLE“ hiess der Kooperationspartner Nespresso …

Miloo plant da in ganz anderen Dimensionen, auch wenn Anna Bory keine exakten Zahlen nennen kann. „Welche Anzahl pro Rahmen und Felge benötigt wird, können wir momentan noch nicht genau sagen“, räumt sie ein. „Aber wir haben eine Tonne des recycelten Aluminiums für eine erste Serie von 100 bis 150 Velos gekauft.“ Und sie weist darauf hin, dass nicht nur für Rahmen und Felgen, sondern für alle Komponenten recyceltes Material vorgesehen ist. Die Reifen, der Kunststoffsattel, sogar der Kork für die Lenkergriffe und das Holz für die Pedale werden aus der Wiederaufbereitung kommen. Und die Verpackungen bestehen aus recyceltem Karton.

Erst bei der Batterie ist Schluss. „Die derzeitig verfügbaren, recycelten Batterien sind leider nicht sicher genug“, bedauert Daniel van den Berg. Zugleich weist er auf die Möglichkeit hin, alte Batterien später dem Recycling zuzuführen oder als Speicher für Solarzellen zu nutzen. Batterierecycling ist aktuell allerdings noch eine Herausforderung für die gesamte Industrie, und die Lösungen – vor allem auch für Elektroautos – sind erst im Entstehen. In fünf bis zehn Jahren dürfte die Technologie ausgereifter und die Kapazitäten vorhanden sein. Vielleicht finden wir dann irgendwann recycelte Aluminium-Kapseln auch in den Batterien wieder …

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